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The Idea

Die Idee


"Tu Was!" Mehr als nur gedenken: Die Urgroßeltern von Daniel Hope waren stolze Deutsche, dann wurden sie von den Nazis vertrieben. Jetzt hat der Geiger seine Freunde angerufen und will mit einem Konzert im Flughafen Tempelhof an die „Kristallnacht“ am 9. November 1938 erinnern.
Mit dabei: Klaus Maria Brandauer, Till Brönner, Hélène Grimaud, Thomas Quasthoff, Max Raabe und viele andere. Eine öffentliche Kunst-Collage die bewegen will.

Auf einem Flughafen fand der Geiger Daniel Hope in einem Travel-Shop eher zufällig ein Buch mit dem Titel „Kristallnacht – Prelude to destruction“ („Vorspiel zur Zerstörung“). Die Lektüre hat ihn nicht mehr losgelassen. Der Historiker Martin Gilbert erzählt in dem Buch vom 9. November 1938. Für ihn war es nicht nur der Tag der verbrannten Bücher, der zerbrochenen Fensterscheiben und der Schlägereien gegen Juden. Für ihn war die „Kristallnacht“ der Auftakt zur systematischen Verfolgung der Juden in Deutschland – und damit ein Fanal, bei dem die Zivilcourage der Deutschen versagte.

Das Buch hat mich erschüttert und aufgewühlt“, sagt Daniel Hope, „ich habe mich gefragt, was ich in dieser Zeit getan hätte. Und: was wir heute tun können, um an diesen Tag zu erinnern.“ Der Geiger hat spontan Freunde und Kollegen angerufen und festgestellt: „Es gibt eine unglaubliche Solidarität. Alle, die ich angerufen habe, verstehen, dass wir an die Vergangenheit erinnern müssen, um die Zukunft zu verbessern.“ Und Daniel Hope hat viele Künstler angerufen: den Schauspieler Klaus Maria Brandauer, den Bariton Thomas Quasthoff, den Sänger Max Raabe, die Pianistin Hélène Grimaud und die Cellistin Sol Gabetta. Pop- und Jazz-Stars wie Till Brönner, Patrice, Polarkreis 18 u.a. werden dazukommen. Sie alle werden am 9. November um 20 Uhr in der Abflughalle des Flughafens Tempelhof beim Benefizkonzert „Tu was!“ auftreten. Eine etwas andere Gedenkfeier. Ein Benefizkonzert, das bewegen will. Ein Gedenken als Feier. Schirmherr ist Außenminister Frank Walter Steinmeier. Der Gewinn geht an die Freya von Moltke-Stiftung.

Ich stelle mir ein Konzert vor, in dem Künstler aus allen Genres aufstehen und Musik machen. Klassik-Interpreten, Schauspieler und Popstars sollen auf ihre Art erzählen, was sie bewegt und was sie mit ihrer Musik bewegen können“, sagt Daniel Hope, für den Gedenkfeiern oft nur Betroffenheit auslösen, „die dann aber keine Wirkung auf unsere Gegenwart hat.“ Das soll dieses Mal anders werden: „Tu was!“ ergeht sich nicht in einer Solidaritätskundgebung per Lichterkette, sondern will aufrütteln und bewegen. „Wir wollen Musik machen, aber auch nachdenken, erinnern und beweisen: Wir tun was! Jeder kann etwas tun!“ Hope glaubt: „Musiker können musizieren, um zu erinnern, und jeder einzelne Bürger hat täglich die Möglichkeit, seine Zivilcourage unter Beweis zu stellen. Wenn wir uns gegenseitig Mut machen, wenn wir uns gemeinsam erinnern, merken wir, dass wir viele sind. Und dass viele vieles bewegen können.

„Tu was!“ ist eine grenzübergreifende Kunstveranstaltung, eine Collage mit allen Mitteln der Kunst.

Klaus Maria Brandauer wird Texte aus dem Buch „Kristallnacht“ und Werke von Goethe rezitieren, Max Raabe singt Lieder aus dem Berlin der 30er Jahre, Menahem Pressler, der die Nazi-Übergriffe als Jude in Magdeburg miterlebte, spielt Werke von Beethoven, Hélène Grimaud von Bach, Sol Gabetta von Ernest Bloch und Daniel Hope stellt Stücke der sogenannten „entarteten Musik“ vor und spielt Mendelssohn, dessen Musik von der Nazis verboten wurde. Mit Till Brönner und anderen Künstlern wird dann ein musikalischer Bogen in die heutige Zeit gespannt.

Es ist ja unglaublich“, sagt der Geiger, „dass die Deutschen mit der jüdischen Kultur einen Großteil der eigenen Identität des Landes vernichtet haben. Wir wollen uns heute besinnen und dankbar sein, dass die Kunst überlebt hat – und zeigen, dass sie nicht tot zu kriegen ist.

„Tu was!“ findet in der Haupthalle des Flughafens Tempelhof statt. Und das macht Daniel Hope besonders glücklich. „Meine Urgroßeltern waren überzeugte Berliner, überzeugte Deutsche – sie haben sogar im Ersten Weltkrieg gekämpft.“ Doch nach der Machtübernahme wurde Hopes Familie unterdrückt, sein Urgroßvater, ein bekannter Berliner Publizist und Journalist, nahm sich 1939 das Leben. „Er hat es nicht mehr ausgehalten, in diesem Deutschland zu leben und sich geweigert, das Land zu verlassen.“ Für Hope ist das Konzert auch eine Begegnung mit seiner eigenen Familienvergangenheit. „Ich habe mir gewünscht, ‚Tu was!’ im Tempelhofer Flughafen zu machen. Denn das beweist, wie aufgeschlossen Deutschland inzwischen ist. Der Flughafen hat eine doppelte Geschichte: Er wurde von den Nazis genutzt, ist durch die ’Luftbrücke’ aber gleichzeitig zum Symbol der Freiheit geworden. Für mich gibt es keinen besseren Ort als diesen.“ Und auch die meisten der Künstler, die Hope eingeladen hat, sind inzwischen Wahl-Berliner und zeigen, dass die deutsche Hauptstadt wieder ein Treffpunkt für Freigeister und Kreative ist.